Auftakt
Warum ich an die Öffentlichkeit gehe
Ich bin kein Influencer. Ich bin Chemiker. Warum ich nach zwanzig Jahren Forschung anfange, öffentlich über Inhaltsstoffe zu schreiben, und was du hier erwarten kannst.

Ich bin kein Influencer. Ich bin Chemiker.
Zwanzig Jahre lang habe ich untersucht, wie Proteine und kleine Moleküle im Körper wirken, an Universitäten in Deutschland, den USA und der Schweiz, danach in Forschungszentren der Pharma- und Lebensmittelindustrie. Ich habe Modelle von Natriumkanälen gebaut und die Evolution von Giftsystemen mitentschlüsselt. Und ich habe gelernt, wie mühsam Evidenz entsteht: langsam, mit Zweifeln, mit Ergebnissen, die man wieder verwirft.
Draußen sieht das anders aus. Draußen ist alles schon entschieden.
Was mich stört
Ein Inhaltsstoff ist gut oder böse. Ein Nährstoff heilt oder schadet. Eine einzelne Studie wird zur Schlagzeile, und die Schlagzeile wird zur Gewissheit. Wer laut genug ist, hat recht, und wer vorsichtig formuliert, geht unter.
Das Problem ist nicht, dass Menschen sich für ihre Gesundheit interessieren. Das ist gut so. Das Problem ist, dass zwischen ihnen und der Studienlage eine Schicht liegt, die aus Zuspitzung besteht. Aus Idealismus, der reißerisch geworden ist. Aus Angst, weil Angst zuverlässig klickt.
Und das Ergebnis ist nicht Aufklärung, sondern Verwirrung. Menschen kaufen Dinge, die nichts tun, und meiden Dinge, die harmlos sind. Sie fühlen sich schuldig für ihr Frühstück.
Wissen soll befreien, nicht verwirren.
Was ich stattdessen mache
Ich lese die Inhaltsstoffliste nicht als Marketing. Ich lese sie als Molekül-Liste. Was steht da wirklich drin, in welcher Menge, und was macht das im Körper? Meist ist die Antwort weniger dramatisch, als beide Lager behaupten, die Warner wie die Verkäufer.
Und ich sage dazu, wie sicher ich mir bin. Jede Aussage, die ich hier treffe, bekommt eine von drei Stufen:
Bewiesen. Durch belastbare Studien gestützt. Die Quelle steht dran, die Grenzen der Studienlage auch.
Plausibel. Mechanistisch nachvollziehbar oder durch erste Daten gestützt, aber nicht hart belegt. Klar als das benannt, was es ist.
Hypothese. Eine begründete Vermutung. Spannend, aber offen. Ich markiere sie, statt sie als Gewissheit zu verkaufen.
Das ist unbequem. Es liest sich schlechter als „Dieses eine Molekül verändert alles“. Aber es ist der einzige Umgang mit Evidenz, den ich vor mir selbst rechtfertigen kann. Und ganz ehrlich: bei vielem, worüber im Netz mit großer Sicherheit gesprochen wird, weiß niemand so genau Bescheid.
Woher ich komme
Ich unterrichte seit 2008 Chemie an der Kantonsschule Solothurn. Wenn du siebzehnjährigen Menschen erklären musst, warum ein Molekül so reagiert und nicht anders, lernst du zwei Dinge: Du kannst nichts hinter Fachsprache verstecken. Und wer wirklich verstanden hat, merkt es daran, dass er die Frage danach stellen kann.
Aus dieser Arbeit ist mehr geworden als Unterricht.
Mit CuraCap habe ich ein Unternehmen gegründet, das Seren für die Kopfhaut entwickelt – nicht für das Haar. Der Unterschied ist kein Marketing, er ist Biologie: Haar ist totes Keratin, die Kopfhaut ist lebendes Gewebe. Über die Produkte spreche ich dort, nicht hier. Hier schreibe ich als Chemiker.
Mit meinem Freund Stefan baue ich Naviyara, eine App für Ernährung. Ich verantworte darin die wissenschaftliche Seite. Was hineinkommt, muss dieselbe Prüfung bestehen wie alles, was ich hier schreibe.
Und dann ist da Christine, meine Frau. Sie hat die FACE-Methode® entwickelt und trainiert Gesichtsmuskeln, wo andere zur Spritze greifen. Sie arbeitet am Gesicht, ich an dem, was hineingeht. Wir teilen ein Territorium (Ernährung, Hautbiologie) und einen Maßstab: erst der Beleg, dann die Aussage.
Gesundheit und natürliche Schönheit sind für mich kein Widerspruch. Sie sind derselbe Gegenstand, aus zwei Richtungen betrachtet. Was beide ruiniert, ist das Versprechen, das niemand halten kann.
Was du hier erwarten kannst
Langform. Artikel, die einer Frage nachgehen, bis sie beantwortet ist, oder bis klar ist, dass die Datenlage sie noch nicht beantwortet. Inhaltsstoffe in Lebensmitteln, in Kosmetik, im Haushalt. Ernährung und Nährstoffe. Und immer wieder: populäre Gesundheits-Versprechen, ruhig geprüft.
Die Studie ist real. Die Schlussfolgerung daraus ist oft die eigentliche Frage.
Ich schreibe unregelmäßig, aber gründlich. Ich werde mich korrigieren, wenn ich falsch liege, und ich werde es dazuschreiben. Ich werde dir nichts verkaufen wollen, während ich dir etwas erkläre.
Ohne Chemie gäbe es kein Leben. Sie hat es nicht verdient, als Schimpfwort zu enden.
Vielleicht magst du mich auf dieser Reise begleiten?
Dr. Holger Scheib ist Chemiker und Honorary Associate Professor an der University of Queensland. Als „The HealthChemist“ übersetzt er Studien zu Inhaltsstoffen und Ernährung in verständliche Sprache. Mehr über mich
Soll ich dir den nächsten Artikel schicken?
Ich schreibe unregelmäßig, aber gründlich: neue Artikel, ehrlich eingeordnet in bewiesen, plausibel und Hypothese. Kein Spam, kein Verkaufstrichter.
Zuletzt aktualisiert: 22. August 2026